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Dienstag 20. 09. 2016
Allgemein
Muslima stellt sich den Fragen Wersener Senioren
von admin

Lotte. Es war ein besonderer Seniorennachmittag, zu dem Pfarrerin Jutta Kiquio am Sonntag eingeladen hatte. Dua Zeitun aus Osnabrück, Muslima und Studentin der islamischen Theologie, war zu einem interreligiösen Dialog nach Wersen gekommen.



Pfarrerin Jutta Kiquio äußerte sich sehr erfreut darüber, dass Dua Zeitun mit Kopftuch zu diesem Nachmittag für die Generation 70+ gekommen war. Zum Einstieg in den interreligiösen Dialog zwischen Christen und der Muslima las sie einen Bibeltext und Ausschnitte aus Lessings „Nathan, der Weise“.

Über den Islam zu sprechen, war Kiquio ein besonderes Anliegen, weil viele Flüchtlinge in der Gemeinde wohnen, im Gemeindehaus Deutsch lernen, einige im Gottesdienst präsent sind und zwei sich haben taufen lassen. Wichtig sei es ihr, dass nicht nur Schwarz und Weiß gedacht oder an Stammtischparolen festgehalten werde, sondern dass die Menschen in Dialog miteinander treten.
Gebürtige Aachenerin

„Ich bin eine deutsche Muslima, gebürtig aus Aachen, meine Eltern kommen aus Syrien“, stellte die Referentin sich vor. Sie kennt Syrien nach eigenen Worten nur aus dem Urlaub in Friedenszeiten, arbeitet in einer katholischen Bildungseinrichtung in Oesede, gründete den Verein „Myjos“ ( Muslimische Jugendcommunity Osnabrück) , hat drei Kinder im Alter von 16, 14 und 12 Jahren und ist geschieden.
Gemeinsamkeiten der Monotheisten

„Alle drei Monotheisten, Juden, Christen und Muslime, haben Abraham als Urvater ihres Glaubens. Wir haben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede, aber wir müssen mit den Unterschieden umgehen können und respektieren, dass man auch anders glauben kann. Wichtig ist der religiöse Dialog, um Ängste und Vorurteile auf allen Seiten abzubauen, um ein friedliches Miteinander leben zu können. Wir können die Welt nicht retten, aber dort, wo wir leben, für Frieden sorgen“, betonte Dua Zeitun. Sie selber habe einen Einblick in christliche Jugendarbeit gewonnen und jüdische Gemeinden besucht.

„Ich bin sehr entspannt, was Diskussionen angeht. Bitte fragen Sie, es gibt keine dummen Fragen“, ermunterte sie die Zuhörer. Doch nicht eine Frage stand am Anfang des spannenden Nachmittags, sondern die herzliche Feststellung eines Gemeindemitglieds: „Wir müssten mehr davon haben wie Sie es sind!“
Ein Gebot, kein Symbol

Die ersten Fragen bezogen sich natürlich auf Kopftuch, Nikab und Burka. „Wir Muslime haben Offenbarungsschriften. Der Koran ist Gottes Wort. Es ist ein Gebot, kein Symbol, dass wir unsere Haare bedecken, aber das Einhalten ist keine Grundlage, um als Muslima anerkannt zu sein. Ich habe mich entschieden es zu tragen, weil es ein Gebot ist“, betonte sie.
Vor fremden Männern die Haare bedecken

Eine Frau sollte ihren Haarschmuck bedecken in Anwesenheit von Männern. Ausgenommen sind Ehemann und bestimmte männliche Verwandte. Doch das Tragen eines Kopftuches dürfe nicht aus Zwang geschehen. Es gebe sicherlich Frauen, die dazu genötigt würden, aber man solle nicht verallgemeinern, denn auch im Islam hätten die Frauen sich weiterentwickelt.

Ihre Tochter habe sich mit vierzehn entschieden, ein Kopftuch zu tragen, obwohl sie als Mutter die Entscheidung zu früh fand. Unterstützt und begleitet auf dem ersten Weg damit zur Schule wurde die Jugendliche sogar von einer christlichen Freundin, deren Religion und Kultur sie auch kennengelernt hatte. „Ich erwarte das nicht von ihr, und sie kann es auch wieder ablegen. Diese Freiheit muss ich ihr geben. Ich habe ihr gesagt, dass niemand sie dazu zwingen darf, dass sie nichts tun müsse, von dem sie nicht überzeugt sei.“
„Meine Entscheidung„

Klar sei es manchmal ganz schön heiß unter der Kopfbedeckung, antwortete die 37-Jährige auf die Frage einer Gesprächsteilnehmerin, „aber, wenn ich etwas aus Überzeugung tue, dann tue ich es gerne, denn es ist meine Entscheidung“, betonte Dua Zeitun.

Pfarrerin Kiquio sagte, dass Menschen manchmal Angst empfänden und Kopftuchträgerinnen als gefährlich ansähen, sie sogar mit Terror verbinden. „Sie werden damit stigmatisiert, und das ist schlimm!“ Die Pfarrerin gab zu, dass sie ein Problem mit Nikab oder der Burka habe, da sie es nicht für möglich halte, mit so komplett verhüllten Frauen zu kommunizieren.
Keine theologische Begründung für Vollschleier

Auch Dua Zeitun ist keine Freundin der Vollverschleierung: „Ich brauche ein Gesicht!“ Es gebe auch keine theologische Begründung für das Tragen dieser Gewänder. Das Thema „Burkaverbot“ sei in den Medien hochgekocht worden. Dabei habe kaum jemand eine Frau mit Burka zu sehen bekommen, so wenige seien es: „Sollte sie verboten werden, kann es passieren, dass damit das Thema in eine ganz andere Richtung gelenkt wird und neue Konflikte entstehen.“

Zum Thema „Flüchtlinge“ äußerte sich Dua Zeitun, dass einige ihre politischen Konflikte in Deutschland fortsetzen, weil sie in ihrer Heimat ein Grund ihrer schrecklichen Erlebnisse und Verlusten waren: „Es ist ein Prozess, dass sie lernen müssen, dass es hier keine Auseinandersetzungen geben darf. Und bedenken Sie auch, nicht jeder Flüchtling ist ein Muslim!“


Quelle NOZ 20.09.2016

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Samstag 10. 09. 2016
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Endlich wieder Wochenende
von admin



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